28.Februar 2018

Meine „unlustige Fastenpredigt“

Die Aufgabe einer Landtagsabegordneten ist es, für Dinge, die man als richtig und wichtig erkannt hat, zu streiten – in der Sache gern hart, aber stets so, dass man sich danach in die Augen schauen kann, und, wenn man den Menschen mag, geht man danach auch zusammen einen Kaffee oder ein Bier trinken. Vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass mir da auch einiges „in die Wiege gelegt“ wurde. Gestern etwa hat uns mein Vater besucht, und wir haben Stunden über Politik diskutiert – nichts Ungewöhnliches, ganz im Gegenteil: Das ist normal, das gehört bei uns in der Stamm-Familie dazu. Politik bestimmt so weit mein Leben, dass meine Tochter mit fünf Jahren ohne hinzusehen, sagen konnte, welche grüne Politikerin da gerade einen O-Ton gibt. Politik ist so wichtig für mich, dass es mich nicht stört, wenn es mein Leben bestimmt – ganz im Gegenteil.

Aber liebe Leute, was gerade passiert, ist nur unfassbar.
Bei der Sicherheitskonferenz in München reden alle davon, dass diese wohl noch nie so wichtig war wie in diesen Zeiten, da die Lage so fragil und instabil geworden ist. „Die Antwort darauf“: Deutschland versorgt zwei kriegerische Parteien mit Waffen: Die Türkei und die Kurden.

Die SPD will einen Neuanfang wagen – was passiert darauf hin? Man bricht mehrfach Wort, erkennt es, versucht dies durch Rückzüge zu heilen – und nominiert jemand zum Parteivorsitz – ohne Wahlen. Ohne Wahlen, ich rede nicht von einer Urwahl, sondern ohne Wahl in einem Gremium.
Die Christlich-Sozialen überbieten sich in einem Wettbewerb mit den rechts-außen Kräften mit nationalistischen und ausgrenzenden Forderungen.
Die Grünen wollen mit ihnen regieren, protestieren aber dann doch immer wieder mal vor ihren Türen.
Die Linke hat in Bayern erkannt, dass sie die eigentliche Führerin der Heimatbewegung ist, und hat im Bund ein ausgewachsenes Problem, da ihre Spitzenfrau immer wieder rassistische Klischees bedient – wohl in der Hoffnung den ein oder die andere WählerIn zurückzuholen. Internationale und Solidarität gehen anders.
Die sogenannte Alternative lässt immer mehr ihre Masken fallen, und zeigt ihr geschichtsvergessenes, widerliches Gesicht. Ganz offiziell will man jetzt die Distanzierung zu Pegida aufgeben.

Es ist in Mode gekommen, dass man als Partei bereits vor einer Wahl seine Positionen aufgibt, um danach auch ja für die Töpfe der Regierung in Frage zu kommen. Doch dann – am Politischen Aschermittwoch, Politischen Ascherdonnerstag, Politischen Ascherfreitag (ja, das gibt es jetzt alles) ist es wieder „gute Sitte“, an genau jenen Verhandlungspartnern kein gutes Haar zu lassen. Als Stilmittel werden dabei auch gern mal die eigenen Kinder hergenommen, um dem anderen so richtig die Meinung zu sagen. Bei dem einen zerreißt sich die Welt das Maul, dass man dies nicht tue (Sigmar Gabriel bzgl. Martin Schulz), der andere wird dafür ohne Kritik allerorten zitiert (Cem Özdemir bzgl. Christian Lindner).

Diesel-Autos und der Verkehr belasten unsere Gesundheit. Die Lösung der Grünen: Endlich mehr E-Mobilität, die Lösung der Regierenden: Denen, die es eh schon haben und sich ein E-Auto leisten können, noch etwas mehr zu geben. Und neuerdings dann die Lösung, dass denjenigen, die betrogen und getrickst haben, Steuergelder für die Umstellung gegeben werden. Staatlich subventionierter  Betrug!

Ach, einen Punkt habe ich noch „vergessen“:
Während hierzulande die Fachkräfte ausgehen, diejenigen fehlen, die Hilfsjobs machen, tut man alles dafür, eine immer unmenschlichere Politik durchzusetzen.
In einer globalisierten Welt nehmen wir gern alle Vorteile mit, um unseren Konsum – manche sagen auch unsere Gier – zu befriedigen. Dafür lassen wir irgendwo in der Welt produzieren – egal unter welchen Umständen: mit Hilfe von Kinderarbeit oder in Fabriken, die einstürzen oder einfach niederbrennen. Wir kaufen gern das billige T-Shirt, schicken gern unsere Essensreste zu Dumping-Preisen in Länder, deren Märkte wir damit kaputt machen. Doch die Folgen, Geflüchtete bei uns human aufzunehmen, die übernehmen wir nicht. Ich habe in meiner christlichen Kindheit gelernt, dass man für sein Tun verantwortlich ist, und für die Folgen gerade stehen muss. Stattdessen gibt es einen „Menschenhandel“ der ganz eigenen Art: Wenn jemand mit dem Ticket der Familienzusammenführung nach Deutschland kommen kann, dann nehmen wir eben weniger aus den total überlaufenen Lagern in der Türkei oder Griechenland auf.
Und gleichzeitig werden bei uns Lager in ganz Deutschland eingeführt – und da ist es ganz egal, wie die Partei heißt, die gerade regiert oder regieren will.

Ich brauche keinen politischen Aschermittwoch und auch keinen politischen Ascherfreitag. Ich will, dass wir gemeinsam an einer solidarischen und gerechten Welt arbeiten .

 

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