12.Dezember 2017

Rede zur Kinderarmut in Bayern

Sehr verehrte Damen und Herren,

dass es Kinder in Bayern gibt, die an oder sogar unter der Armutsgrenze leben, das ist bekannt. Wir wissen, dass auch im reichen Bayern die Kinderarmut wächst, die Bertelsmann-Stiftung gibt in Ihrem regelmäßig erscheinenden Bericht darüber Auskunft. Wir sollten uns deshalb hier nicht länger mit der Analyse des Problems beschäftigen, sondern endlich auch Konzepte zur Bekämpfung der Kinderarmut entwickeln.

Allerdings: Da erinnern wir hier eher an einen schlecht geführten Fußballverein. Statt um Trikots für die Jugend und ordentliche Trainer kümmern wir uns um die 75-Jahr-Feier und das Geschenk für den Ehrenvorsitzenden sowie die Organisation des Sommerfestes. So ist es beim Thema Kinderarmut auch.

Hier ein bisschen Kindergeld, dort Steuergeschenke für Besserverdienende, hier ein Bildungsgutschein, dort ein Freizeitpass für die verbilligte Nutzung des Schwimmbades. So bekämpft man nicht Kinderarmut, so verwaltet man sie. Unser vorrangiges Ziel muss heißen, die Existenz aller Kinder zu sichern. Das muss das gesellschaftspolitische Ziel sein, alles zu tun, damit alle Kinder eine Teilhabe an der Gesellschaft haben. Das am weitesten fortgeschrittene Konzept dazu ist die sogenannte Kindergrundsicherung.

Das heißt: Alle Kinder erhalten das gleiche Geld. Damit ließe sich im Bundesdurchschnitt nach Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung von 16,5% auf 3% senken. Das würde auch in Bayern die Zahl der von Kinderarmut betroffenen Kinder verringern und die Situation aller deutlich verbessern.

Darüber würde ich in diesem Haus gerne diskutieren und nicht länger über vereinzelte Wohltaten, die wir wahlwirksam unters Volk streuen. Lassen Sie uns das Problem bei der Wurzel anpacken und nicht einzelne Symptome bekämpfen. Lassen Sie uns Gesellschaft gestalten und nicht verwalten.

Zurück zur Übersicht