2.Dezember 2017

Gewalt gegen Frauen

Gewalterfahrungen sind bei geflüchteten Frauen nicht nur die Fluchtursache, sondern auch ständige Begleiterscheinung von Flucht – das war Thema bei der Diskussions-Veranstaltung im bayerischen Landtag aus Anlass des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen. Die drei ReferentInnen Monika Cissek Evans (Jadwiga), Nuschin Rawanmehr (One Billion Rising) und Juliane von Krause (terre des femmes) zeichneten ein bedrückendes Bild von der Alltäglichkeit von Gewalt gegen Frauen auf der Flucht.

Menschenhandel ist kein Phänomen aus Tatort und anderen Krimiserien, sondern bittere Realität in Deutschland und Bayern. Hierzulande wurden 2016 über 220 Fälle bekannt, 79 Frauen stammten aus Nigeria. Monika Cissek-Evans von Jadwiga berichtete gleichzeitig von einer hohen Dunkelziffer, die nicht nur wegen des hohen Drucks der Täter besteht, die ihren Opfern oft jede Bewegungsfreiheit nehmen, sondern auch wegen der mangelnden Unterstützung der Behörden. Betroffene Frauen erhalten kaum Unterstützung, werden selbst Ziel der Strafverfolgung, weil sie häufig gezwungen werden Straftaten wie Diebstähle oder EC-Karten-Betrug zu begehen. Der Staat wird nur tätig bei einer Anzeige durch die Frauen, die sich aber in vielen Fällen nicht an die Polizei wenden, weil Angehörige in ihren Heimatländern bedroht werden.

Die gebürtige Iranerin Nuschin Rawanmehr berichtete von der Situation von Frauen in bayerischen Flüchtlingsunterkünften, insbesondere aber auch vom Druck auf die MitarbeiterInnen in den Einrichtungen. Eine Hilfe für geflüchtete Frauen ist unter den derzeit bestehenden Arbeitsbedingungen kaum möglich. Sie schilderte einen Fall, wo letztlich nur unter Umgehung der Behörden eine Hilfe für eine Frau möglich war, die auch in Deutschland noch von ihrem Mann in der Unterkunft misshandelt wurde. Juliane von Krause bestätigte diesen Eindruck nicht nur, sondern wies darauf hin, dass Gewalterfahrungen in vielen Fällen der ausschlaggebende Fluchtgrund für Frauen ist, hier im Asylverfahren jedoch kaum berücksichtigt wird. Obwohl Zwangsverheiratung, Genitalverstümmelung oder auch häusliche Gewalt als Verletzung der Menschenrechte gilt.

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