23.November 2016

Bergbahnen haben völlig abgehoben!

PM zum Auftakt der Wintersaison an der Zugspitze: Kritik am Ausbau der Wintersportgebiete mit Schneekanonen und Liftanlagen: „Die Staatsregierung verpulvert weiter Steuergelder.“

40 Millionen Euro haben die Deutschen Bergbahnen zum Start in die Wintersaison 2016/17 investiert. Jeweils 5 Millionen allein für neue Seilbahnen (6-er Sessellifte) am Fellhorn und in Balderschwang. „Wahrscheinlich Fehlinvestitionen“, sagt Claudia Stamm von Bündnis90/Die Grünen. „Viel Geld fließt auch in neue Beschneiungsanlagen wie etwa am Sudelfeld oder im Bayerischen Wald, obwohl an vielen Orten Schnee längst Mangelware ist.“

Experten gehen davon aus, dass sich in Folge des Klimawandels die durchschnittliche Temperatur in den Alpen um mindestens zwei Grad erhöht. „Das bedeutet das Aus für 60 Prozent der bayerischen Skigebiete in absehbarer Zukunft. Nur noch die vier Skigebiete Fellhorn, Nebelhorn, Grasgehren und Garmisch-Partenkirchen können dann theoretisch ohne Beschneiung den Betrieb aufrechterhalten.“ Dies bestätigt eine Studie des Alpenvereins aus dem Jahr 2013.

Erst im Sommer hatte das Bayerische Umweltministerium auf eine Anfrage vor den schweren Umweltzerstörungen in den Alpen als Folge des Verlegens von Rohrleitungen für Schneekanonen und deren Betrieb gewarnt. Doch die Seilbahnbetreiber leugnen diese für die Branche bedrohliche Entwicklung. Auf seiner Webseite bestreitet der Verband, dass für niedrig gelegene Skigebiete, zu denen die meisten in den bayerischen Bergen zählen, bald Schluss sein könnte.

Obwohl die Bilanz des letztjährigen „Katastrophenwinters“ auch in den Augen der Liftbetreiber miserabel ausfiel: Aufgrund des Schneemangels sei ein Drittel weniger Gäste in die bayerischen Wintersportorte gekommen. Einen 25prozentigen Rückgang gab’s auch am Sudelfeld, obwohl man dort bereits Millionen investiert hatte. In diesem Jahr hat man nun noch mal nachgerüstet. Claudia Stamm: „Die Bergbahnbetreiber weigern sich den Klimawandel anzuerkennen, obwohl er die eigenen Unternehmen bereits so spürbar trifft. Statt die Weichen für einen funktionierenden Sommertourismus zu stellen, vernichtet man Landschaft und Natur durch den weiteren Bau von Lift- und Beschneiungsanlagen für den Wintertourismus.“ Und das mit Unterstützung der bayerischen Staatregierung, die bis 2019 Projekte – gerade in den kleinen und damit wohl nicht überlebensfähigen Skigebieten – mit bis zu 35 Prozent der Kosten fördert. „Solange die Gelder in den Wintertourismus fließen, ist das eine reine Geldverschwendung“, so haushaltspolitische Sprecherin.

Den deutschen Bergbahnen empfiehlt Claudia Stamm, statt weiter Luftschlösser zu produzieren, den Blick lieber auf eine realitätsnahe Gestaltung des Tourismus in den Alpen zu richten – im Interesse der vielen Menschen, die dort vom Tourismus leben und der vielen NaturliebhaberInnen, die sicher nicht wegen stillgelegter Schlepplifte in die Berge fahren. Zum Auftakt der Skisaison haben die Bergbahnen den Hirnforscher Frieder Beck als Referenten in den Münchener Presseclub geladen. Claudia Stamm: „Vielleicht macht das dem ein oder anderen Verantwortlichen den Kopf frei“.

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