25.Juli 2016

Situation queerer Geflüchteter – Statements von Betroffenen

Doreen Ssemwogerere

„Ich lebe nun seit drei Jahren in Deutschland und diese drei Jahre waren sehr schwer für mich. Zwei Monate nach meiner Ankunft wurde ich nach Rosenheim gebracht. Die Unterkunft liegt am Rand der Stadt und ist nicht gut zu erreichen (Du musst ein Fahrrad haben). Ich hatte schwere Depressionen und niemanden, dem ich mich anvertrauen konnte. Ich konnte nicht schlafen und war so ruhelos, dass ich fast den Verstand verloren habe. Es kam mir so vor, als wäre ich vom Regen in die Traufe gekommen. Die Sprache war ein Hauptproblem, denn als ich zum Arzt gegangen bin, der kein Englisch konnte, konnte ich Aufgrund der Sprachbarriere nicht behandelt werden.

Rosenheim ist eine Kleinstadt, in der viele Senioren wohnen, die sehr konservativ und religiös sind und die LGBTQI-Community als Fluch der Nation betrachten. Für mich war es also genauso, wie schon in Uganda, wo ich herkomme. In Uganda gibt es viele Schimpfwörter für uns und noch mehr Homophobie und Stigmata, die sich in den Herzen der Menschen festgesetzt haben. Von den Einwohnern hier und von Freunden wurde ich oft gefragt, warum ich geflohen bin. Um mich selber zu schützen, gebe ich immer an, dass ich aus politischen Gründen geflohen bin. Ehrlich gesagt habe ich mich noch nicht geoutet und verberge meine Sexualität, da ich die Konsequenzen fürchte, die mein Coming-Out mit sich bringen könnten. Meine Mitbewohnerinnen kommen alle aus Afrika (Nigeria und Sierra Leone), wo Homophobie weit verbreitet ist. Ich spreche oft mit meinen Mitbewohnerinnen und jede Einzelne von ihnen spricht immerzu schlecht über die LGBTQI-Community; so viel dazu.

Mir wurden schon Horrorgeschichten von meinen schwulen und lesbischen Freunden erzählt, die von ihren Problemen berichteten, die sie in ihren Unterkünften hatten, nachdem sie offen über ihre Sexualität gesprochen haben. Manche wurden verprügelt oder bedroht, es ist also sehr angsteinflößend. Wir brauchen Schutz und Hilfe als LGBTQI-Geflüchtete.

Acht Monate später war ich in der Lage die Lesbenberatung LeTra über das Internet zu finden. LeTra hat mir wirklich sehr geholfen, mich hier zu integrieren. Sie haben erreicht, dass ich einen Anwalt bekomme, die Rechnungen übernommen, sie haben Beratungsangebote organsiert und mir einen Deutschkurs organisiert. Ich konnte mich über sie auch mit meinen lesbischen Schwestern aus Uganda treffen. Wenn ich bei LeTra bin, fühle ich mich wie Zuhause, da ich als Lesbe willkommen bin.

Traurig ist dagegen die lange Wartezeit, die man erdulden muss, bis die Regierung dich zur Befragung einlädt oder bis sie eine gestellte Anfrage beantwortet. Ich muss sagen, dass das Asylsystem hier sehr ungerecht und schlecht organisiert ist, zu viel Politik involviert ist und die Entscheidungsträger entweder schlecht informiert sind oder einfach kein Interesse mehr haben. Ein Jahr nach meiner Ankunft wurde ich zur Befragung vorgeladen, ein Jahr und acht Monate später habe ich dann die Entscheidung [in meinem Asylverfahren Anm.] erhalten; die negativ war. Das war einer der schrecklichsten Tage meines Lebens. Ich habe nun Berufung eingelegt, weiß aber nicht, wie lange ich noch warten muss, was sehr frustrierend und enttäuschend ist. Ich kann nicht in ein Land zurückkehren, wo ich in Lebensgefahr bin. In meiner Heimat habe ich viele schreckliche Dinge erlebt, über Vergewaltigung und Vertreibung hin zu Angriffen, Übergriffen und Todesdrohungen; ich kann nicht dahin zurückkehren. Ich brauche endlich eine Pause davon, ich habe nie etwas falsch gemacht, außer so zu sein, wie ich bin. Ich möchte ein neues Leben in Freiheit beginnen. Ich möchte eine gute Bürgerin sein, die geschützt wird und ihre Menschenrechte als Mensch wahrnehmen kann.“

 

Paul Miiro

„Mein Name ist Paul und ich komme aus Uganda. Dort habe ich Betriebswirtschaft studiert und mit einem Bachelor in Business Administration abgeschlossen. Zeitgleich habe ich – als schwuler Mann- in Uganda als Aktivist [für LGBTQI – Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer und Inter-Life] für die NGO Reach Young People gearbeitet.

Homosexuell zu sein, ist verboten in Uganda. Gesellschaft und Religion betrachten Homosexualität als unakzeptabel. Ich wurde als Aktivist Opfer von Angriffen und Übergriffen, ich wurde von meinem Wohnort vertrieben und konnte nur knapp einer Menschenmenge entkommen, die mich bei lebendigem Leibe verbrennen wollten. Obwohl ich daraufhin zu einem 60 Kilometer entfernten Ort geflohen bin, haben mich dieselben Menschen dorthin verfolgt und mich dem Ortsvorsteher gemeldet und angegeben, dass ich homosexuell bin und die Jugendlichen verderbe. Der Ortsvorsteher sagte mir, dass ich sein Dorf unverzüglich zu verlassen habe. Ich habe dann angefangen, bei Freunden in verschiedenen Orten in Uganda unterzukommen, um auf mein Visa zu warten. Ich habe meinen Job verloren und mein Leben war in Gefahr.

Am 12. Januar 2016 bin ich vom Entebbe Flughafen über Qatar nach Berlin geflogen, wo ich am 13. Januar 2016 angekommen bin. Da ich Geld hatte, habe ich die erste Nacht in einem Hotel verbracht. Am nächsten Tag bin ich zu einer AIDS-Beratungsstelle für LGBTQI gegangen und habe gesagt, ich habe zwar kein AIDS aber ich brauche eure Hilfe. Sie vermittelten mich an eine Beratungsstelle für Schwule und Lesben, die mir eine Unterkunft gesucht haben. Ich habe mich dann beim LAGESO (Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin) als Asylsuchend gemeldet, woraufhin ich nach München in die Heidemannstraße verlegt wurde. Dort bin ich drei Tage geblieben, bevor ich für einen Monat in ein anderes Lager verlegt wurde, nur um wieder zurück in die Heidemannstraße für zwei Tage verlegt zu werden, bevor ich dann nach Poing in eine Turnhalle verlegt wurde. Meine Lage in diesen Lagern und Unterkünften war als Homosexueller sehr schwer, da Homophobie weit verbreitet ist. Ich habe versucht, meine sexuelle Identität zu verheimlichen aus Angst, diskriminiert zu werden. In der Turnhalle in Poing sind Menschen vieler verschiedener Religionen untergebracht. Moslems, Katholiken und evangelikale Christen, die Homosexualität nicht akzeptieren. An den Wochenenden bin ich oft nach München gefahren, an Orte wie das SUB oder das Blau samstagabends, an denen ich mich zuhause gefühlt habe. Das Leben in einer Turnhalle mit 280 anderen Menschen, die aus unterschiedlichen Kulturen mit unterschiedlichen Glaubensansichten und Meinungen ohne eine eigene Privatsphäre, ist eine große Herausforderung. Ich hoffe immer, dass sich meine Situation verbessert. Die Hoffnung werde ich nicht aufgeben. Aufgrund der Freiheit ist München ein großartiger Ort für Schwule und Lesben und auch, weil es dort eine Szene gibt. Das ist meine Erfahrung als Schwuler.“

 

Noordin Kaddu

„Mein Name ist Noordin Kaddu. Ich komme aus Uganda, wo ich gewohnt habe und auch geboren wurde. 2014 bin ich nach Deutschland auf der Suche nach Schutz vor Verfolgung aufgrund meiner sexuellen Orientierung in meinem Heimatland gekommen. Um mein eigenes Leben zu schützen, bin ich geflohen. Es viel mir sehr schwer, Kontakt mit den deutschen Behörden aufzunehmen, da alle Deutschen, die ich anfangs traf so taten, als würde niemand Englisch sprechen können.

Schlussendlich konnte ich jemanden finden, der mich an einen Ort namens Obersendling gebracht hat, wo ich um Asyl gebeten habe. Von diesem Moment an wurde alles schwerer und merkwürdiger für mich.

Wir wurden von einer Asylunterkunft zur nächsten gebracht, bevor ich in Kiefergarten untergebracht wurde, wo die gestellten Asylanträge bearbeitet werden, die Unterbringung und Verteilung organisiert wird und Geflüchtete temporär leben können, bis Entscheidungen über die Asylanträge getroffen werden.

Obwohl wir nicht länger als einen Monat in Kiefergarten blieben, ist dies der Ort gewesen, ab dem ich das Asylverfahrenssystem nicht mehr verstanden habe. Es war so, dass manche neu angekommenen Flüchtlinge schneller in neue Unterkünfte verteilt wurden, als die meisten der bereits temporär untergebrachten Flüchtlinge, die immer noch wie gestrandet warteten. Ich habe nie verstanden, warum das System manche Flüchtlinge bevorzugte und die früher angekommenen Flüchtlinge – wie mich – warten lässt. Ich musste vier Monate warten, bevor ich endlich in eine richtige Unterkunft in Schechen – eine kleine Gemeinde bei Rosenheim verteilt wurde.

Soweit ich die Asyl- und Migrationspolitik verstanden habe, gibt es keine ‚wer zuerst kommt, malt zuerst‘ Vorgaben. Dennoch ist es meiner Meinung nach so, dass es pures Glück ist, dass manche Flüchtlinge vor allen anderen bearbeitet werden.

Schechen ist ein isolierter Ort, an dem zwar viele von uns untergebracht sind, es keine gut erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten oder medizinischen Einrichtungen gibt. Davon einmal abgesehen, wurde uns auch nicht mitgeteilt, wo eine medizinische Behandlung möglich ist. Uns wurden auch keine Transportmöglichkeiten wie Fahrräder zur Verfügung gestellt. Auch das mussten wir alles selber herausfinden. Es blieb uns also nur übrig, bei Anwohnern zu klingeln und zu fragen, ob man sich ein Fahrrad leihen kann, um damit zum nächsten Supermarkt fahren zu können. Dies hat die Anwohner und ihre Familien sehr erschreckt, da es ihnen wohl wie eine Invasion von schwarzen Männern vorgekommen ist; schließlich haben die meisten meiner Ansicht nach noch nie einen Schwarzen außer im Fernsehen gesehen, geschweige denn persönlich getroffen. Diese ganze Situation war für die Anwohner aber auch für uns Flüchtlinge sehr verwirrend und schwierig.

Die ganze Situation wurde noch schlimmer im Winter!

Seit meiner Ankunft bis zum heutigen Tag lebe ich ein Doppelleben. Die Unterkunft wird von vielen afrikanischen Flüchtlingen bewohnt, die alle aus Ländern kommen, in denen Schwule nicht akzeptiert werden. Aus Angst, dass ich diskriminiert – oder schlimmer – werde, sobald ich offen lebe, muss ich vor meinen Mitbewohnern verheimlichen, was ich bin. Kurzum fehlt es uns LGBTQI vor allem an Privatssphäre.

Die Asyl- und Migrationspolitik spricht kontinuierlich darüber, wie sehr gewollt ist, dass wir Flüchtlinge uns integrieren aber dann musst du ein Jahr warten, bevor du einen Grundkurs in Deutsch bekommst. Ich frage mich, warum wir in kleinen Dörfern im Hinterland untergebracht werden, wo sie Kühe und Pferde züchten. Ich bin der Meinung, dass das System darauf ausgelegt ist, uns so zu frustrieren, bis wir freiwillig dorthin zurückkehren, wo wir hergekommen sind. Dies schafft eine Situation, in der wir uns tagtäglich sorgen.

Je mehr Zeit verstrich, umso mehr überlegte ich, wie ich meine armselige Situation verbessern kann. Ich habe mich aufgerafft, nach irgendeiner Gay-Community zu suchen, wo ich Hilfe erhalten kann. Zum Glück habe ich das SUB – eine Einrichtung, die schwulen Geflüchteten hilft – gefunden. Über das SUB habe ich einen Herrn namens Sascha Hübner getroffen, der mir in vielerlei Hinsicht geholfen hat. Zum Beispiel dabei, einen Anwalt zu finden, Geld für das Honorar des Anwalts oder einen Deutschkurs zu finden; um einige Beispiele zu nennen.

Er hat mich ebenfalls mit einem ehrenamtlichen Helfer bekannt gemacht, der Flüchtlingen helfen wollte. Er wiederrum hat mich mit Freunden vorgestellt, die mir einen Praktikumsplatz bei Deloitte in der Datenverarbeitung vermitteln konnten, nachdem ich sowas in Uganda studiert hatte. Ich habe vor, bei Deloitte meine Ausbildung zu machen, um mein IT-Studium voranzutreiben.

So ist die schwierige Lage für Tausende Flüchtlinge in verschiedenen Unterkünften draußen in den kleinen Dörfern auf dem Land. Ich sage das nicht nur für mich, sondern für alle anderen Flüchtlinge – die ähnliches erleben, aber keine Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen und Sorgen zu äußern.

Ich bin den Menschen, die mir bisher geholfen haben, sehr dankbar.“

 

Keith King

„Für viele Jahre – Jahrzehnte sogar – wurde die Existenz queerer Menschen in Uganda kaschiert. Diese Kaschierung ist so umfassend, dass die LGBTQ-Communities sich selber unsichtbar gemacht haben. Das Leugnen der eigenen Situation brachte Trost, was dazu führte, dass selbst die Existenz anderer LGBTQI unwahrscheinlich wurde. Das ist das Uganda, in dem ich aufgewachsen bin.

Die Wahrheit aber ist, dass [auch in Afrika] – genauso wie auf dem Rest der Welt – LGBTQI leben, atmen und existieren. Diese Wahrheit – mag sie auch noch so angenehm und verzweifelt verdrängt werden, kann nicht länger geleugnet werden.

Im Gegensatz zu dem, was die meisten Menschen auf dem Kontinent glauben, haben gleichgeschlechtlicher Sex und gleichgeschlechtliche Partnerschaften in Afrika – und vor allem auch in Uganda – im Laufe der Geschichte stattgefunden; selbst sehr lange vor der Zeit der Kolonialisierung. Historiker und Anthropologen haben dies nachgewiesen.

Die Annahme, Homosexualität sei von außen importiert worden, ist schlichtweg falsch. Homophobie und homophobe Gesetze sind dagegen eindeutig vom Westen eingeschleppt worden. Homosexualität war in Afrika vor der Kolonialisierung nichts, was gefürchtet oder gehasst wurde. Die Invasion der Homophobie und homophobe Gesetze im modernen Uganda wurden allesamt durch die britischen Kolonialherren durchgesetzt. Paragraph 145 des ugandischen Strafgesetzbuches sagt, Geschlechtsverkehr „entgegen der natürlichen Ordnung“ unter Strafe gestellt ist. Dieses Gesetz wurde 1952 bei der britischen Kolonialverwaltung eingeführt und wird bis heute umgesetzt. Der am 24 Februar 2014 beschlossene Anti Homosexuality Act kriminalisiert LGBTQI-Menschen und verbietet jeglichen Einsatz für die Lage und die Menschenrechte von LGBTQI.

Die Strafen reichen von einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe für gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr, Homosexualität und Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen – bei Vorliegen einer HIV-Erkrankung. Das Leben in einer gleichgeschlechtlichen Ehe wird ebenfalls mit einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe bestraft. Sieben Jahre Gefängnis drohen bei Unterstützung und Beihilfe von Homosexuellen und fünf bis sieben Jahre Gefängnis drohen für das Werben von Homosexualität.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass dieses Gesetzt sehr stark von amerikanischen Evangelikalen unterstützt und gefördert wurde, die in den USA mit ihrer politischen Agenda gescheitert sind und nun nach Uganda gekommen sind, um Hass zu predigen.

Dieses Gesetz wurde durch den unermüdlichen und mutigen Einsatz der LGBTQ-Aktivisten durch das Verfassungsgericht mit der Begründung eines Formfehlers aufgehoben. Nichtsdestotrotz wird ein Großteil dieser Strafen in einigen Regionen Ugandas umgesetzt und die Diskriminierung und Kriminalisierung von LGBTQI in der Verfassung bleiben bestehen. Versprechen und Anmerkungen des Parlamentspräsidenten erwecken den Anschein, dass dieses Gesetz schon bald erneut eingebracht werden soll. Die Nachwirkungen dieses Gesetzes sind auch heute noch Spürbar und haben zu einem Anstieg der Verfolgung von LGBTQI geführt.

Laut einem Bericht von Sexual Minorities Uganda – einer Nichtregierungsorganisation wurden in den ersten vier Monaten nach Einführung des Gesetzes 162 Fälle von Gewalt und Diskriminierung dokumentiert. Da dieses Projekt schlecht finanziert wurde und die allgemeine Lage sehr gefährlich für LGBTQI war, ist die Dunkelziffer wahrscheinlich viel höher. Zwangsoutings durch die Medien sind Routine und die Boulevardmagazine inszenieren die Leben von LGBTQI öffentlich und nehmen dabei die Gefahren für diese Menschen in Kauf. Einige Magazine rufen sogar dazu auf, die Geouteten zu hängen.

Dies alles hat weiter dazu beigetragen, die LGBTQI-Community – die ohnehin schon am Rand der Gesellschaft leben – noch weiter zu Ausgestoßenen zu machen. Selbstjustiz ist mittlerweile normal auf den Straßen der Städte und Gemeinden. Auch Polizeigewalt, Wilker, Erpressung und die Folter von LGBTQI wird vom Staat toleriert. Die institutionalisierte Diskriminierung von LGBTQI ist mittlerweile tief im Bewusstsein der Gesellschaft verankert. LGBTQI wird Unterkunft, Arbeit, Ausbildung und Gesundheitsversorgung in staatlichen und privaten Einrichtungen verwehrt. Der Hass und die Diskriminierung beschränken sich nicht nur auf LGBTQI direkt, sondern auch auf die Familien, was das Akzeptieren und Lieben der eigenen Kinder zusätzlich erschwert.

Die Menschlichkeit der LGBTQI wurde durch die Ignoranz, den Hass und die Lügen derjenigen verdrängt, die ihren Kreuzzug der Kriminalisierung von LGBTQI unbeirrt fortsetzen. Das Echo des Hasses hat auch mein Leben erreicht und mich gezwungen, mein Zuhause – mein Geburtsland, zu welchem ich trotz der schrecklichen Erfahrungen, die ich erleben musste, tiefe Liebe empfinde verlassen musste. Meine Gemeinschaft, in der ich durch den Kampf für gleiche Rechte und Würde verankert war zu verlassen, ist einer der schwersten Dinge, die ich in meinem Leben machen musste. Nach einer gefühlten Ewigkeit der Untenschlossenheit und dem Ertragen einer Serie von schrecklichen Ereignissen, habe ich mich dafür entschieden, das Leben zu wählen. Ich habe mich entschlossen, das Leben zu wählen, um an einem anderen Tag den Kampf für meine Leute [LGBTQI-Community in Uganda, Anm.] fortzuführen, selbst wenn dies bedeutet dies weit weg von Daheim zu machen.

Nach meiner Ankunft in Deutschland bin ich bei den Behörden vorstellig geworden, die mich dann in einer Unterkunft untergebracht haben. Auch wenn die Situation in den Unterkünften für Flüchtlinge allgemein schwierig ist, so ist die Lage für LGBTQI-Geflüchtete besonders schwer. Unsere Situation ist ähnlich, wie die in unseren Heimatländern. Die Einwohner stammen aus verschiedensten Ländern und Ethnien und in den meisten Herkunftsländern ist Homosexualität verboten.

Die meisten anderen Geflüchteten sind ebenso voller Vorurteile und Hass auf LGBTQI. Als wäre dies nicht schon schlimm genug, trägt auch das Sicherheitspersonal dieselben Vorurteile in sich. Es sind dieselben Überlegungen, wie wir unsere Geschlechtsidentität ausleben, dieselben psychologischen, emotionalen und verbalen Diskriminierungen und dieselbe Androhung von physischer Gewalt. Es kommt vor, dass es nicht nur bei Überlegungen und Drohungen bleibt und der fehlende Schutz vor den offiziellen Sicherheitsleuten gehört nur zu einer der vielen Herausforderungen, denen LGBTQI-Geflüchtete gegenüberstehen. Hinzukommen dann noch die allgemeinen Herausforderungen aller Flüchtlinge, die sich in einem fremden Land aufhalten. Aufgrund meiner Erlebnisse bin ich der Ansicht, dass der Kampf gegen die Diskriminierung von LGBTI ein globaler Kampf ist.

Auch wenn der Kampf gegen Diskriminierung von LGBTQI ist in Deutschland und Europa weit vorangeschritten ist, so muss noch viel geschehen, in Deutschland und Weltweit. Der Kampf ist weit davon entfernt, vorbei zu sein; er beginnt gerade erst.

Der Kampf für die Gleichstellung und Würde aller LGBTQI sollte global geführt werden. Es ist unsere kollektive Verantwortung, gegen jede Form von Vorurteilen, Hass und Diskriminierung von LGBTQI vorzugehen, egal aus woher sie stammen oder welches Land sie ihre Heimat nennen.

Diejenigen, die schon viel erreicht haben, dürfen sich nicht auf ihren Erfolgen ausruhen. Es ist jetzt an der Zeit, sich zusammenzuschließen und mit euren Brüdern und Schwestern gemeinsam weltweit gegen Unterdrückung und Diskriminierung zu kämpfen. Es ist jetzt an der Zeit, Menschenrechtsverletzer für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist jetzt an der Zeit, mit Mut, Überzeugung, klaren Gedanken und guten Aktionen die Führung zu übernehmen. Möge der Kampf für die Gleichstellung von allen LGBTQI nicht nur in unseren Gedanken und Herzen stattfinden, sondern auch in unseren Handlungen und Taten.“

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