14.Juli 2014

Runder Tisch: Prekäre Lage unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Rosenheim

Professionelle und Ehrenamtliche werden im Stich gelassen

In Bezug auf die Flüchtlingsproblematik spielt in Rosenheim (Stadt und Landkreis) die geographische Lage eine besondere Rolle: Hier treffen sich die Fluchtrouten aus dem Süden und dem Osten! Die Folge: eine größere Zahl an Flüchtlingen – wodurch mittlerweile sowohl hauptamtliche als auch ehrenamtliche HelferInnen am Limit ihrer Kapazitäten sind. Seit Beginn dieses Jahres sind bereits 250 Jugendliche hier angekommen! Sie sollen theoretisch nach einem Clearing, das zwischen zwei bis drei Monate erfordert, auf freie Jugendhilfe-Plätze im gesamten Freistaat verteilt werden. Da es jedoch kaum freie Plätze gibt, entsteht zwangsläufig in Rosenheim ein Stau – und das auf Kosten der Jugendlichen. Darin waren sich alle Anwesenden am Runden Tisch einig: Vertreter der Bundespolizei als auch der freien Träger, die Verantwortlichen des Stadt- und Kreisjugendamts sowie die Mitglieder des Initiativkreis Migration.

Die aktuellen und gestiegenen Herausforderungen in Rosenheim nahmen die Grünen Abgeordneten Christine Kamm und Claudia Stamm zum Anlass mit den zuständigen Stellen, Betroffenen, wie auch Unterstützerinnen und Unterstützer aus dem ehrenamtlichen Bereich, die Situation wie den aktuellen Handlungsbedarf zu diskutieren. Das Gespräch legte eklatante Mängel bei der Betreuung und Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge offen: Die wenigen BetreuerInnen haben ein sehr geringes Stunden-Kontingent zur Verfügung, sie sind mit der Gesamtsituation personell über-fordert und emotional extrem überlastet. Dies führt unter anderem dazu, dass die Jugendlichen nur mangelhaft oder viel zu spät eine Gesundheits-Erstuntersuchung bekommen. Der anwesende Jugendamtsleiter des Land-kreises Rosenheim berichtete von gefährlichen Krankheiten, die erst einige Wochen später nach der Ankunft der Jugendlichen festgestellt werden.

Claudia Stamm sieht auch nach drei Jahren keine Verbesserung der Situation, sondern vielmehr eine Verschärfung der Lage vor Ort – sie hatte sich mit der Kinderkommission des Landtages bereits im Jahr 2011 ein Bild von der Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge im Raum Rosenheim gemacht. Dies sei nicht nur auf die zunehmende Zahl der jugendliche Flüchtlinge zurückzuführen, sondern auch auf die Untätigkeit der Bayerischen Staatsregierung und offenbar auch auf das „Weg-Ducken“ anderer Landkreise. „Die grenznahen Landkreise dürfen hier nicht allein gelassen werden und brauchen auch die Unterstützung der Staatsregierung“, so Claudia Stamm. Die Lücken in der konkreten Betreuung werden zum Teil von ehrenamtlichen Helferkreisen ausgefüllt. Jedoch sind auch diese teilweise psychisch sehr belastet durch die Schicksale der Jugendlichen; eine Unterstützung seitens der Behörden und den freien Trägern für die Ehrenamtlichen ist nicht in Sicht.

Christine Kamm begrüßt die Initiative des bayerischen Flüchtlingsrates, die mit einer Beratungsstelle die Ehrenamtlichen in der Asylsozialarbeit unter die Arme greifen wollen. Sie weist jedoch darauf hin, dass der Freistaat für diese Aufgabe primär in Frage kommen würde und die Helferinnen und Helfer vor Ort eine professionelle Beratung und Unterstützung benötigen. „Die Situation in Rosenheim ist ein Spiegelbild der aktuellen Asyl- und Flüchtlingspolitik in Bayern. Das Versagen der Staatsregierung ist auch in Rosenheim und nicht nur bei der Unterbringung der Flüchtlinge in München und Zirndorf ersichtlich“, so Christine Kamm. Zu einer Neugestaltung und damit zu einer menschlicheren Flüchtlingspolitik ist die Staatsregierung verpflichtet, so das Fazit der beiden Grünen-Abgeordneten.

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