4.März 2014

Rede zur Eröffnung der Grenzgänger Theatertage

„Ich liebe es, Theater zu spielen. Es ist so viel realistischer als das Leben.“ Oscar Wilde (1854 – 1900)
Ein besseres Zitat für diese Theatertage kann man kaum finden.
Eigentlich sollte man nicht gesondert hervorheben, dass Menschen mit verschiedenen Behinderungen dieses Projekt ausmachen. Worin liegt der Unterschied, ob ein Sehender einen Blinden spielt, oder umgekehrt? Das alles sind Gedanken, die sich Anette Spola, die Gründerin, sicher schon mehrfach selbst gestellt hat.
Vielen Dank für Ihr Engagement und Ihre Arbeit!

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Nach der UN-Konvention wird Behinderung nicht länger als körperliches, psychisches, oder mentales Defizit verstanden, sondern als ein soziales Verhältnis aufgefasst. Behinderun entsteht erst bei der Interaktion von Menschen mit Beeinträchtigungen und durch umwel- oder einstellungsbedingten Barrieren, die sie an einer gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern Erst dadurch werden Menschen behindert.Der Abbau von Barrieren und die Ermöglichung von Teilhabe sind also das, was wir zur Aufgabe haben. Aus einem defizitorientierten Verständnis von Behinderung folgt eine Politik der Fürsorge; aus dem Verständnis der Vereinten Nationen von Behinderung folgt eine Politik der Inklusion!
Gleichberechtigte Teilhabe umfasst nicht nur wichtige Lebensbereiche wie Bildung, Wohnen oder Arbeit, sondern eben auch die Teilnahme am kulturellen Leben. Dabei geht es aber nicht um den Zugang zu den Veranstaltungen, also zu Film-, Theater- oder Konzerten, sondern auch um die eigene Entfaltung der kreativen, künstlerischen und intellektuellen Potenziale von Menschen mit Behinderungen. „Anderssein“ wird so als Bereicherung der Gesellschaft erfahren. Und Anderssein bereichert uns alle! Vielfalt bereichert uns alle!
Die Grenzgänger-Theatertage sind genau hierfür ein Beispiel für den Abbau von Barrieren und eine gelebte Inklusion. Behinderte und nicht-behinderte Akteure, psychisch Kranke, ihre Therapeuten, blinde Menschen und Sehende, Gehörlose und Hörende, stehen beim Grenzgänger-Festival ganz selbstverständlich gemeinsam auf einer Bühne.
Dieses Mal gibt es ja noch besonderen Grund zu feiern: Die Grenzgänger kommen zum 5.Mal! „Kunst ist grenzenlos“ Deswegen wünsche ich Ihnen heute mit „Fransen im Kopf“ und mit „Landschaft mit Stühlen“ einen schönen Theaterabend und eröffne hiermit das Festival.

Mehr Infos: Hier

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