Donnerstag, 3. Dezember 2009

Grüne Bologna-Tour in Rosenheim: Im Gespräch mit der Fachhochschul-Leitung über die Reform der Bologna-Reform

Die Grünen im Bayerischen Landtag haben die Studierenden-Proteste nicht bestellt. Doch eigentlich war die Grüne Fraktion sogar ihrer Zeit voraus: Denn kurz bevor die Studenten ihre Hörsaale besetzt haben, startete die Grüne Bologna-Tour. Quer durch Bayern diskutierten Grüne Abgeordnete mit Hochschulleitungen und Studierenden über den Reformbedarf von Bachelor und Master. Als Stimmkreis-Abgeordnete für Rosenheim habe ich in der Hochschule für Angewandte Wissenschaften – Fachhochschule Rosenheim Station gemacht.

Im Gespräch mit Präsident Prof. Heinrich Köster und einigen Dekanen der Hochschule wurden Vor- und Nachteile des Bologna-Prozesses für die Fachhochschule diskutiert.
Als ganz großer Vorteil wurde genannt, dass die FHs aufgewertet wurden, ein Wechsel von Fachhochschulen an Unis vom Bachelor zum Master ermöglicht wurde – ein internationaler Vergleich ist nun gegeben. Doch es gab bei dem Gespräch durchaus auch Kritik: Für die Bachelor/Master – Studiengänge seien zusätzliche Finanzmittel und viel mehr MitarbeiterInnen nötig, besonders auch im Mittelbau. Der Umfang der Lehrverpflichtung müsse verringert werden. Ganz dringend sei auch Lobby- bzw. PR-Arbeit bei der Wirtschaft, diese würde nach wie vor das Diplom sehr schätzen und den Bachelor noch nicht als gleichwertigen Abschluß ansehen.
Das Thema „Studiengebühren“ wurde von den Professoren sehr ambivalent bewertet. Zum einen seien die Hochschulen dringend auf die Gebühren angewiesen, zum anderen werde die finanzielle Situation der Studierenden so erschwert. Die BAföG-Sätze seien viel zu niedrig, so ein Einwand eines Dekans. Da sei ein Großteil der Studierenden auf Zuverdienste angewiesen, was aber bei der Stofffülle, Klausurendruck und noch mehr Präsenzpflicht diese vor große Probleme stellen würde.
Diese Sorge teilte ich absolut: “Den Studentenprotesten gilt unsere volle Unterstützung! Wir Grüne wollen nicht, dass Studierende und Hochschulen die Versuchskaninchen einer überstürzten Reform werden. Verantwortlich für gute Bildung ist und bleibt die Politik. Wir müssen im Landtag die nötigen Weichen stellen und zusammen mit den Hochschulen eine Reform der Reform auf den Weg bringen. Vielleicht sollte Bologna nur dazu dienen, junge Menschen noch mehr zu entpolitisieren – da sie neben dem Studium ja keine Zeit mehr für irgend etwas finden.“
An der Hochschule Rosenheim sind die Studierenden bei der Entscheidung über die Verteilung der Studienbeiträge mit beteiligt. Aufgrund dieser gegenseitigen Kommunikationsbereitschaft zwischen den Rosenheimer Studierenden und der Hochschulleitung neigen erstere wohl nicht dazu, in Rosenheim einen Hörsaal zu besetzen – so die Einschätzung der Fachhochschule.

Ein Artikel aus der örtlichen Presse findet sich hier:
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